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17.06.2008

Störche in Futternot

Die große Trockenheit der letzten Wochen führte bei vielen Storchenpaaren in der Niederlausitz zu einer Futternot für ihre hungrigen Küken. Bis zu drei Kilo benötigt eine Storchenfamilie jetzt jeden Tag. Doch Regenwürmer, Schnecken und Lurche hatten sich in die Erde verkrochen. Was blieb den Störchen anderes übrig, als die Zahl ihrer Jungen zu reduzieren?

Die schwächsten Küken mussten geopfert werden, d.h. die Altstörche warfen Küken aus dem Horst. Ungewöhnlich viele Abwürfe wurden dieses Jahr aus der ganzen Niederlausitz gemeldet, so aus Forst, Dissen, Babow, Kolkwitz, Großräschen, Naundorf, Lehde. Einige Küken fielen weich und überlebten den Abwurf. Besorgte Anwohner kümmerten sich um diese, informierten die Weißstorchbetreuer oder brachten die Küken selbst zu Förster Heindel nach Reddern. Er betreut inzwischen 13 Storchenküken und zwei verletzte Altstörche. Bei Bruten in Burg und Dollenchen nahmen Naturschützer je drei noch kleine Küken aus den Horsten. Anwohner beobachteten, dass nur noch ein Altstorch ständig am Horst zu sehen war und dieser nicht auf Futtersuche flog. In beiden Fällen war ein Brutvogel verunfallt. Da die Storchenjungen noch sehr klein waren, blieb der verbliebene Altstorch zum Schutz am Horst. Nach Tagen hätte er die Brut aufgegeben.

Eine andere Situation liegt vor, wenn die Jungstörche bereits etwa vier Wochen alt sind. Dann ist die Zeit gekommen, wo die Jungstörche immer öfter allein gelassen werden. Sie dann groß genug und benötigen nicht mehr den ständigen Schutz und die Pflege eines Altstorches. Außerdem wächst der Futterbedarf der ständig hungrigen Jungschnäbel weiter an. Dieser steigt nun täglich an und kann von einem Altstorch nicht mehr allein heran geschafft werden. Deshalb fliegen nun beide Altstörche auf die nahen Wiesen und Äcker und werden oft erst am späten Abend gemeinsam am Horst gesichtet.

Was kann getan werden, damit unsere Adebare künftig ausreichend Nahrung finden und mehr Jungstorche ausfliegen? Um die Dörfer sollten mehr Feuchtwiesen, naturnahe Bäche und Tümpel angelegt werden. In Streuobstwiesen, Feldgehölzen und auf Ödflächen entwickeln sich viele Nahrungstiere. Die Bebauung von Nahrungsbiotopen sollte unterbleiben. Landwirte, die auf Bio-Anbau umstellen wollen, sollten Unterstützung erhalten, denn intensive Landwirtschaft mit viel Chemieeinsatz oder gar Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wirken sich negativ für unsere Störche und ihre Artgenossen aus.

Winfried Böhmer
NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz

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