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19.05.2010
Storchenjahr beginnt normal
Bislang keine Verluste durch Witterung / Aber Nahrungsmangel durch Monokulturen
"Noch hat das kalte und regnerische Wetter nicht zu Verlusten bei Brandenburgs Weißstörchen geführt", so Bernd Ludwig, NABU-Landeskoordinator für den Weißstorchschutz. Abwechselnd wärmen die Altstörche derzeit die Jungen im Nest. "Hudern" heißt das in der Fachsprache. Dramatisch werden kann es, weiß Ludwig, wenn es Dauerregen, wie vergangenen Samstag gibt. "Dann könnte in den Nestmulden, u.a. durch verbaute Folie, das Wasser stehen bleiben und die Jungvögel verklammen. Zwar finden die Störche derzeit genügend Regenwürmer, aber bei den Temperaturen machen sich Insekten und Amphibien rar. Auch Feldmäuse gibt es zu wenig. Schlimm wäre ein weiterer Kälteeinbruch im Juni, da dann die Altvögel nicht mehr hudern", erklärt Ludwig.
"So, wie sich die Ankunftszahlen darstellen, scheint 2010 ein normales Weißstorchjahr in Brandenburg zu werden", berichtet Ludwig von den ersten Eindrücken. In Rühstädt brüten mit derzeit 32 Storchenpaare etwas mehr als im vergangenen Jahr. Wobei das Storchendorf sicherlich auch vom Aufwind der "Westzieher" profitiert, vermutet der Storchenexperte. Als Westzieher werden diejenigen Störche bezeichnet, die aus Afrika über Gibraltar in den Norden ziehen. Mehr und mehr überwintern diese aber schon in Spanien und Portugal. Damit sind sie bereits Anfang März in den Brutgebieten und haben somit einen entscheidenden Vorteil.
Allgemein aber nimmt der Bestand der Weißstörche in Brandenburg und auch in Mecklenburg-Vorpommern, den beiden storchenreichsten Bundesländern immer mehr ab. Ludwig verweist auf die Zähldaten, die ihm die ehrenamtlichen Storchschützer des NABU jedes Jahr zuarbeiten. Konnten 2008 noch 1.296 Brutpaare (BP) gezählt werden, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 1.193 BP. Davon hatten 885 BP Junge (Junge insgesamt: 2.146). Das bedeutet, dass nur 1,8 Jungtiere pro Horst flügge geworden sind. Um die Population zu erhalten sind aber mindestens 2,0 Junge/Horst notwendig. Noch schlimmer sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus: im Super-Storchen-Sommer 2004 waren es noch 1.244 BP, 2008: 863 BP und 2009: 770 BP.
Ludwig ist sich sicher, dass die Population der "Ostzieher" nur noch gehalten werden kann, weil immer wieder "Zuzügler" aus Osteuropa im Brandenburgischen eintreffen. Er befürchtet allerdings, dass mit dem Wandel der landwirtschaftlichen Produktion in den osteuropäischen Ländern auch hier die Weißstorchpopulation einbrechen wird. Kein Wunder: in den Monokulturen aus Raps und Mais, die durch intensiven Einsatz von chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln schnell hoch wachsen und kaum Insekten, Amphibien und Kleinsäuger beherbergen, finden die Störche einfach keine Nahrung mehr.
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