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16.06.2003

Nur zwei Junge verbleiben

Von dem 4er-Gelege "unseres" Storchenpaares sind letztendlich nur zwei Jungstörche übrig geblieben. Die ersten drei Küken schlüpften im Abstand von jeweils einem Tag am 8., 9. und 10. Juni, gerade in der Zeit der großen Trockenheit. Das zuletzt geschlüpfte Küken überlebte diese Trockenperiode nicht und lag am 12. Juni tot im Horst. Es verhungerte, da die Altstörche ungenügend Nahrung herbeischaffen konnten. Mäuse oder Eidechsen waren für die Küken zu groß. Regenwürmer, Schnecken und andere für die Jungstörche wichtige Kleintiere fehlten. Am 14. Juni schlüpfte schließlich ein Küken aus dem 4. Ei. Die Hoffnung war groß, dass für dieses Nesthäkchen gute Überlebenschancchen bestünden, da sich nach den Niederschlägen der letzten Tage die Nahrungssituation verbesserte.

Doch am Sonntag vertilgte ein Altstorch das jüngste Küken. Solch ein Verhalten zeigte das Vetschauer Storchenpaar bereits in den Vorjahren. Damit "regulieren" die Altstörche ihre Jungenzahl, wenn sie nicht genug Futter finden. Kronismus nennen das die Fachleute, bezeichnet nach der griechischen Sagengestalt Kronos, der seine eigenen Kinder verspeist haben soll. So verbleiben also nur zwei Junge bei den Internetstörchen. Diese sind wohlauf und werden gut von den Storcheneltern versorgt. Weshalb töten einerseits die Altstörche ein Junges und andererseits sorgen sie sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs? Nur ein scheinbarer Widerspruch. Wir Menschen empfinden das zwar als grausam, doch in der Natur dienen solches Verhaltensweisen der Arterhaltung. Futtermangel zwingt sie dazu. Wenn die Nahrungsbiotope nicht ergiebig genug sind, "regulieren" die Altstörche ihre Jungenzahl. Damit sichern sie den verbleibenden Jungen das Überleben. Die Jungen müssen bis Mitte August flügge sein und sich soweit kräftigen, dass sie im Spätsommer die gewaltige Flugstrecke nach Afrika in die Winterquartiere bewältigen. Die Vorgänge im Vetschauer Storchennest zeigen erneut, wie wichtig der Schutz der Nahrungsbiotope und deren Verbesserung für den Erhalt der Störche ist.

Winfried Böhmer
NABU-Projektleiter

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