Beringung
Beringung 2. Juli 2003 im Weißstorchenzentrum Vetschau
|
Wetter: Bewölkt mit Sonnenphasen, 20 Grad, windig |
|
- |
| 08.30 Uhr |
Eintreffen des Steigerfahrzeuges der enviaM. |
| 08.40 Uhr |
Absprachen der Beringerin und der NABU-Projektleitung mit den Technikern und Journalisten. |
| 08.50 Uhr |
Zu den Interessenten und Besuchern gesellen sich Kinder-Gruppen aus zwei Kindertagesstätten von Vetschau: Sonnenkäfer und Rappelkiste. Sie verfolgen die Beringung am Bildschirm im Storchenzentrum oder in den Außenanlagen. |
| 09.00 Uhr |
Der Steiger hat stabile Position eingenommen. Einstellungsarbeiten an der Kamera. |
| 09.10 Uhr |
Ankunft mit dem Steigerkorb am Horst. Die Jungen sind in Akinese (schützende Starre), ein Altstorch verlässt das Nest, der zweite ist auf Futtersuche. |
| 09.15 Uhr |
Der erste Jungstorch trägt den neuen Ring. Nach 33 Jahren Beringung mit dem alten Ring hat Katharina Illig den neuen ELSA-Ring im Einsatz. Neu ist auch die Beringung des oberen Storchenbeines (Obenberingung). Die Zeichen am Ring sind viel besser zu erkennen. Ein Fernseh-Kameramann vom RBB hat die Arbeiten gefilmt. |
| 09.30 Uhr |
Der zweite Storch erhält den neuen Ring im Beisein eines dpa-Fotografen. Fernsehen und Zeitungen berichten am selben bzw. am nächsten und in den nächsten Tagen. In der Nachbarschaft des Nestes wird ein Baum verschnitten. |
| 09.45 Uhr |
Der Steiger hat seine Arbeit getan, die Beräumung beginnt. |
| 10.10Uhr |
Die Jungen beginnen aus der Akinese zu erwachen und bewegen sich langsam, der Dämmerzustand hält noch eine Weile an. Nach weiteren zehn Minuten erheben sie sich jeweils für kurze Zeit. |
| 12.02 Uhr |
Ein Altstorch kehrt von der Futtersuche zurück und bringt reichlich Nahrung für die Jungen. |
NABU-Projektleiter Winfried Böhmer zur Beringung:
1. Ob Weißstörche überhaupt noch beringt werden sollten, diskutierten auch die Fachleute in den vergangenen Jahren. Der Meinung, man wisse alles über Störche, standen immer wieder überraschende neue Erkenntnisse und Veränderungen in der Storchenpopulation gegenüber. Das führte schließlich zur Entscheidung, dass weiter beringt wird.
2. Nachdem Optiken zur Verfügung standen, mit denen die Ringe am lebenden Storch abgelesen werden konnten, stiegen die Ringrückmeldungen und die Erkenntnisse daraus stark an. Um die Ablesungen an lebenden Störchen zu verbessern und häufiger zu ermöglichen, wurde von der "Unten-Beringung" am Fuß zur "Oben-Beringung" oberhalb Intertersalgelenk übergegangen. Doch der Metallring bewährte sich in der Obenberingung nicht. Storchenkot und Metall verursachten gesundheitliche Beeinträchtigungen der Tiere. Nach jahrelangen Entwicklungen und Erprobungen liegt nun der neue Kunststoffring vor, der im Jahr 2003 generell zum Einsatz kommt.
3. Ohne Hebezeuge dauerten die Beringungen früher wesentlich länger und waren viel beschwerlicher durch hinaufklettern oder über angelegte Leitern. Teilweise legte man den Jungstörchen die Ringe am Boden an, wenn am Horst kein sicherer Stand erzielt oder zusätzlich Messungen an den Jungstörchen vorgenommen wurden. Und selbst bei solchen viel massiveren Aktionen, wie sie übrigens bei vielen anderen Arten vorgenommen werden, normalisiert sich das Horstleben vergleichsweise schnell.
4. Eine Beringungsaktion ist natürlich eine Störung am Brutplatz und löst Stress bei den Tieren aus. Doch nach allen Erfahrungen hat solch eine Störung keinerlei bleibende Auswirkungen. Die Jungen fallen in Akinese, erholen sich aber sehr schnell und auch die Altvögel kehren bald an den Horst zurück. Übrigens gehört Stress zum ganz natürlichen Storchenleben, z.B. bei einem Unwetter, bei großer Nässe, Hitze oder Trockenheit oder wenn Greifvögel und Fremdstörche dem Horst zu Nahe kommen. Die größte Gefahr besteht für die Brut übrigens durch Artgenossen.
5. Die Einrichtung des NABU in Vetschau nennt sich Weißstorch-INFORMATIONSZENTRUM. Informieren, aufklären, erkennen und schützen stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Da gerade die Beringung immer wieder mal unter Kritik steht, sehen wir es geradezu als notwendig an, die Beringung mit dem neuen Ring zu zeigen und zu erläutern.
Aktuelle Erkenntnisse durch die Beringung:
Storchenbuchautor Günter Blutke hat am Ring eines Storches in der Prignitz eine der ältesten Storchendamen (http://www.blutke.de/stoerche10.html) Deutschlands identifiziert. Die 29jährige sorgt übrigens noch fleißig für Nachwuchs. Der in Deutschland bisher identifizierte älteste Storch war ebenfalls 29 Jahre alt. Das Thema wird ebenfalls in einem neuen Buch eine Rolle spielen dass Journalist und Fotograf Blutke zum Thema Storch und Storchennest.de herausbringen will. Das Buchprojekt kommt zustande, wenn genügend Interessenten eine Vorbestellung abgeben.
Störchin Johanna in Wolfsburg (Warmenau) trägt Ring Nr. B5749 der Vogelwarte Hiddensee. Sie schlüpfte 1988 in Griebo/Sachsen Anhalt. Zusammen mit ihrem Partner Johannes zog sie in 11 Jahren 41 Jungstörche groß (siehe WebCam in Wolfsburg). Vor 7 Jahren hatte Johannes in der Autostadt eine kurze Affäre mit einer Widersacherin Johannas. Ansonsten war er treu.
Redaktion Volkmar Küch ehrenamtlicher enviaM-Redakteur für storchennest.de
|