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27.07.2006

Hugo an Aspergillose verendet

Am Montag, den 24. Juli verendete das verbliebene Storchenküken (Hugo) an Aspergillose. Er war etwa 57 Tage alt. Der Storch wurde im Institut für Geflügelkrankheiten an der FU Berlin untersucht. Der Ernährungszustand des Tieres war schlecht. In den Luftsäcken konnte ein hochgradiger Befall mit Schimmelpilzen festgestellt werden. Diagnose war Aspergillose.

Am 3. Juli war eine Blutprobe genommen worden. Es wurden keine Abnormalitäten festgestellt, auch keine Influenza (Vogelgrippe).

Die Schimmelpilze stammen aus dem Nistmaterial. 10 Proben von Nistmaterial aus dem Horst und aus der Umgebung wurden untersucht. Vergleichsweise hohe Konzentrationen an thermotoleranten Aspergillen, und insbesondere Aspergillus fumigatus, wurden im Laub/Grasschnitt sowie in Kompostresten gefunden. Bei der Zersetzung solcher Materialien entsteht Wärme, die das Wachstum von thermotoleranten Schimmelpilzen, zu denen auch die Aspergillose Erreger A. fumigatus und A. niger gehören, begünstigen. Beim Umsetzen der Rotte oder durch natürliche Prozesse werden diese Erreger dann über ihre Sporen (Konidien) aerogen in die Umwelt getragen. Dadurch können die Erreger in den Horst eingetragen werden oder die Vögel werden direkt mit ihnen exponiert. Des Weiteren kann der Einbau von kontaminiertem Nistmaterial, und hier kommen alle untersuchten Materialien in Frage, dazu führen, dass die primär als Saprophyten fungierenden Aspergillen sich im Horst vermehren, was möglicherweise noch durch die Wärmeabgabe der Tiere bei der Bebrütung begünstigt wird.

Inwieweit die Pilze, die zu einer Infektion der Vögel geführt haben, aus dem Nestmaterial oder aus der Umgebung stammen, bleibt derzeit unklar. Um diese Zusammenhänge näher aufklären zu können, müsste eine Erregertypisierung durchgeführt werden, bei der die Infektionserreger aus den Lungen oder Luftsäcken der infizierten Vögel mit den artgleichen Pilzen aus dem Nestmaterial des Horstes, in dem die Infektion auftrat, und mit Isolaten aus der Umgebung des Horstes, verglichen werden.

Ein weiteres Problem könnte die Mykotoxinproduktion der im Material der Horste gefundenen Schimmelpilze darstellen. A.fumigatus kann beispielsweise Gliotoxin produzieren, dass sich im Nestmaterial anreichert und möglicherweise von den Vögeln aufgenommen wird. Dadurch würde das Immunsystem der Vögel geschwächt und das Infektionsrisiko für die Tiere an Aspergillose zu erkranken erhöht. Eine genauere Einschätzung dieser Problematik kann jedoch nur durch gezielte Untersuchungen an den Nestmaterialen vorgenommen werden.

Fazit/ erste Schlussfolgerungen:

  • Hugo hatte sich mit den Schimmelpilzen infiziert. Obwohl er sich anfangs sehr gut entwickelte und er etwa 57 Tage alt wurde, breiteten sich die Erreger begünstig durch die extremen klimatischen Bedingungen doch so stark aus, dass er keine Überlebenschance hatte. Eine Heilung wäre nicht möglich gewesen.
  • Das Horstmaterial werden wir im Herbst komplett abtragen und auf die Stahlunterlage einen neuen Weidenkorb als Nistunterlage aufsetzen. Die hoch von Aspergillus belasteten Kompost-/Abfallhaufen (drei Stück, von denen die Störche Nistmaterial herantragen) versuchen wir zu beseitigen.
  • Weiterführende Untersuchungen sind notwendig, um den Ursachen auf den Grund zu gehen und allgemeine Schlussfolgerungen für den Storchenschutz ziehen zu können.

Winfried Böhmer
NABU-Projektleiter

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